Start Präventionsprojekte Medienscouts Damit es in Netzwerken auch sozial zugeht

Damit es in Netzwerken auch sozial zugeht

Prävention: Schon Sechstklässler lernen in der Realschule plus Cochem, wie sie das Web vorbildlich nutzen

Cochem. Konflikte und Streitigkeiten unter Schülern hat es immer schon gegeben, und das Finden von Lösungen zur Streitschlichtung ist ein wichtiger Faktor in der sozialen Entwicklung von Jugendlichen. Problematisch werden Konflikte erst dann, wenn sich das aggressive Verhalten zu Beleidigungen, Bedrohungen und Gewalt aufschaukelt. Oft geschieht das nicht mehr von Angesicht zu Angesicht, sondern anonym über Internetportale in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Wer-kennt-wen.

Diese neue Form des Mobbings macht leider auch vor den Schulen im Kreis Cochem-Zell nicht halt. „Früher wurde auf dem Schulhof gemobbt, heute passiert das im Internet“, sagt Jörg Thelen, Medienschutzberater und Lehrer an der Realschule plus in Cochem. Um die Schüler auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die im Internet lauern, hat Thelen vor vier Jahren ein Präventionsprogramm erstellt. Zum ersten Mal gibt es das Projekt nun schon für Sechstklässer.

„Die Schüler sind bereits in der sechsten Klasse technisch so ausgestattet, dass sie multimedial kommunizieren“, so Thelen. Damit der Aufklärungsversuch möglichst authentisch ablaufen konnte, wurden an der Realschule plus zehn Schüler der neunten und zehnten Klassen über mehrere Wochen zu sogenannten Medienscouts ausgebildet. Diese übernehmen am Projekttag den Unterricht sozusagen auf Augenhöhe in den Präventionsklassen. „Es gibt so viele Fallen im Internet, oft sind sich vor allem die jüngeren Schüler gar nicht darüber bewusst“, begründet Medienscout Helena Hauschopp ihre Motivation.

In fünf Unterrichtsstunden erklären die Medienscouts den Schülern alles über soziale Netzwerke im Internet, ab wann man sich anmelden darf und wie man ein Profil richtig erstellt. Anhand von Arbeitsblättern werten die Kinder gute und schlechte Beispiele aus. Diese Übungen dienen dem Zweck, die Elf- bis Zwölfjährigen für ihr Handeln im Netz zu sensibilisieren. Wie wichtig das eigene Verhalten bei den Streitigkeiten anderer ist, können die Schüler der Realschule plus gerade an einem aktuellen Beispiel sehen: Zwei gegnerische Parteien tragen ihre Streitigkeiten über ein Internetportal aus. „Die gegenseitigen Beschimpfungen und Bedrohungen gehen so weit, dass die Schüler der einen Partei vormittags den Unterricht schwänzen aus Angst vor angedrohter Prügel“, berichtet Schulleiter Franz-Josef Göbel.

Nun sieht sich die Schule zum Handeln gezwungen und informiert die ahnungslosen Eltern. In einem persönlichen Gespräch wird offensichtlich, dass Kommentare vieler Außenstehender dazu führten, dass sich der Streit derart ausweiten konnte. Wichtig sind also ein offener Umgang mit Problemen und sensibles Handeln. Durch das Medienprojekt werden solche Probleme zwar nicht verhindert, aber die Aufmerksamkeit der Schüler anderen gegenüber wird gefördert. Die Medienscouts stehen ihren Mitschülern ständig als Ansprechpartner zur Verfügung und bieten ihre Hilfe an. Als Dank für ihr soziales Engagement erhielten die Cochemer Medienscouts im vergangenen Jahr in Mainz eine Urkunde.

Aus: Rheinzeitung Ausgabe Mittelmosel vom 23.4.2012. Geschrieben von U. Platten-Wirtz.