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Patenschaft soll Perspektiven zeigen

Ausbildung IHK, Realschule plus Cochem und Pro-Seniore-Residenz Sehl gehen Kooperation ein

Eine sogenannte Schulpatenschaft haben jüngst die Pro-Seniore-Residenz im Cochemer Stadtteil Sehl, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz sowie die Cochemer Realschule plus unterzeichnet. Die Patenschaft soll dazu dienen, Schüler für eine Ausbildung in der Altenpflege oder Ergotherapie zu interessieren. Unter anderem über Praktika, Praxistage und Informationsveranstaltungen sollen Jugendliche Einblicke in den Berufsalltag erhalten. Davon sollen sowohl das Alten- und Pflegeheim als auch die Schule profitieren.
Alte Menschen zu pflegen, ist harte Arbeit und längst nicht jedermanns Sache. Dieser Job erfordert ein hohes Maß an Sozialkompetenz, aber auch die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigen ist häufig groß. „Er ist krisensicher“, sagte Cornelia Killgen, Leiterin der Pro-Seniore-Residenz in Sehl. „Und er bietet wahnsinnig viele Perspektiven.“ Wenig später unterzeichnete sie eine Patenschaftserklärung mit der Cochemer Realschule plus und der IHK Koblenz.


Franz-Josef Göbel, Leiter der Realschule plus Cochem, und Cornelia Killgen, Leiterin der Pro-Seniore-Residenz Sehl, halten die frisch unterschriebene Patenschaftsvereinbarung in Händen.

„Wir freuen uns sehr“, hielt Killgen fest. „Wir hoffen, dass wir den jungen Leuten bei der Berufsfindung helfen können.“

Wie soll das gehen? Schon am kommenden Dienstag, 13. November, wird die Residenz sich und ihre Ausbildungsberufe bei einem Elternabend in der Realschule vorstellen. Berufspraktika oder Praxistage und Betriebsbesichtigungen für Schüler sind weitere Elemente einer Schulpatenschaft, erläutert Nadine Giejlo, Projektleiterin Schule-Wirtschaft bei der IHK. Die IHK unterstützt die Kooperation in Zusammenarbeit mit dem regionalen Arbeitskreis „Schule-Wirtschaft Altenkirchen“. Gut 30 solcher Patenschaften zwischen Schulen gibt es inzwischen im Kreis Cochem-Zell, mehr als 300 sind es im gesamten IHK-Bezirk. In der Cochemer Realschule richtet sich das Angebot vor allem an die Schüler der Klassen acht bis zehn, für die die Berufswahl kein Fernziel mehr sind.

Ein Stück Regionalmarketing

Für die Realschule plus unterschrieb deren Leiter Franz-Josef Göbel das Patenschaftsdokument. Eberhard Noll, Leiter des IHK-Büros Cochem, war der Dritte im Bunde. Noll sagte: „Die Idee der Schulpatenschaften ist auch, dass man ein Stück weit Regionalmarketing betreibt.“ Man wolle jungen Leuten „Jobperspektiven abseits der Ballungsgebiete“ eröffnen.

Die seien in der Altenpflege gar nicht mal schlecht, urteilt Killgen. Wer an der dreijährigen Ausbildung gefallen finde und sie erfolgreich durchlaufe, könne anschließend beispielsweise in die Pflegedienstleitung wechseln. Oder man könne Gesundheits- und Pflegemanagement studieren, etwa an der katholischen Fachhochschule in Mainz.

40 Beschäftigte arbeiten für die Pro-Seniore-Residenz Sehl in der Pflege und Betreuung alter Menschen. Das Altenheim hat 87 Pflegeplätze und 24 Appartments. Senioren, die in Letzteren wohnen, sind noch weitgehend eigenständig und nehmen nur bestimmte Betreuungsleistungen in Anspruch. Die Residenz hat einen eigenen Wohnbereich für Demenzkranke. Deren Betreuung gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Mittel gegen falsche Erwartungen

Residenzleiterin Killgen setzt in die Schulpatenschaft auch die Hoffnung, dass sie hilft, falschen Erwartungen an den Pflegeberuf vorzubeugen. Nicht jeder, der seine Oma lieb habe und gut mit ihr klarkomme, sei auch für diese Arbeit geeignet, formuliert sie es zugespitzt. Göbel und seine Mitstreiter aus dem Lehrerkollegium sehen ebenfalls einen Gewinn in der Patenschaft. Über sie und den direkten Kontakt zu Pro Seniore gelingt es womöglich leichter, Schüler früh für das Thema Berufswahl zu interessieren.

Im Idealfall lassen sie sich gar für einen Job in der Altenpflege begeistern, denn dort fehlt es an Fachkräftenachwuchs. Das liegt aus Sicht des IHK-Manns Noll mit daran, dass mittlerweile zu viele junge Menschen Abitur machen. Abiturienten bewerben sich der Regel nicht um einen Pflegeberuf, bestätigt auch Cornelia Killgen. Und Noll setzt hinzu: „Leute aus dem Ausland anzuheuern, ist immer nur die zweitbeste Lösung.“ Auf dem Papier ist die Schulpatenschaft zwischen der Pro-Seniore-Residenz, der Realschule plus Cochem und der IHK nun fixiert. Jetzt müsse man sie „mit Leben füllen“, so Killgen.

Quelle: RZ Mittelmosel vom Donnerstag, 8. November 2012, Seite 20. Foto & Text: David Ditzer