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Schüler als Mami und Papi auf Probe


Gute Erfahrungen haben die Schüler der 10 c als Eltern auf Probe gemacht.
Anja Winkler (links) und Sieglinde Frickenhaus (rechts) standen den
Jugendlichen dabei beratend zur Seite. Fotos: Ulrike Platten-Wirtz

Zehnte Klasse der Cochemer Realschule plus betreut Kinder und lernt viel über Elternrolle

Drei Tage und zwei Nächte lang wurden 14 Schülerinnen und Schüler der Cochemer Realschule plus zu Eltern auf Probe. In Zusammenarbeit mit der Familienbildungsstelle des Landkreises und der Schwangerenberatung Donum Vitae hat die Klasse 10 c mit ihrer Klassenlehrerin Sandra Peifer an dem Projekt „Proki“ teilgenommen. Dabei wurden den Jugendlichen insgesamt neun Babysimulatoren zur Verfügung gestellt, die rund um die Uhr betreut werden mussten.

Täuschend echt klangen die Schreie der Babypuppen, die dann auch gefüttert, gewickelt und gehalten werden wollten. Die Schüler, die an dem Projekt teilnehmen wollten, hatten die Möglichkeit, sich allein oder in Zweiergruppen um ein „Baby“ zu kümmern.

Die Probeeltern erhielten ein elektronisches Armband, das mit einem Chip versehen wurde und als Erkennungsmerkmal für das Hightech-Baby diente.Schummeln kam also nicht in Frage. Auf dem Chip wurden alle Handlungen aufgezeichnet, auch die unterlassenen, und später von den Organisatoren ausgewertet.

Entwickelt wurde das Projekt in Amerika, wo es eine große Anzahl von Teenager- Schwangerschaften gibt. Anja Winkler, zuständig für die Familienbildung in der Kreisverwaltung, erklärt: „Bei uns geht es allerdings in erster Linie um eine gute Vorbereitung der zukünftigen Elterngeneration auf ihre spätere Elternrolle. Den Jugendlichen soll ein realistisches Bild vom Elternsein vermittelt werden mit seinen schönen und anstrengenden Seiten. Über das Kennenlernen des Hilfenetzwerks vor Ort sollen außerdem Unterstützungsmöglichkeiten bekannt gemacht und potenzielle Kindesmisshandlungen verhindert werden.“

Mit dem Projekt sollen die Jugendlichen aber nicht abgeschreckt werden. Man will den jungen Leuten verdeutlichen, wie ein Kind das Leben verändern kann.

Die meisten Jugendlichen gingen mit einem guten Gefühl aus dem Projekt heraus und dem Bewusstsein, dass sie vieles schon ganz gut meistern könnten. Die beiden Cousins Max und Louis Nuppeney waren die einzigen männlichen Schüler, die sich für die Babyprobezeit entschieden haben. Die drei Projekttage haben sie bei Max gewohnt, damit sie sich gemeinsam um „ihr Kind“ kümmern konnten. „Es war ganz schön anstrengend“, lautet das Fazit der beiden. Obwohl Louis eigentlich keine Kinder haben wollte, könnte er sich nach den Projekttagen schon vorstellen, später einmal Vater zu werden. „Aber nicht, bevor ich 30 bin“, erklärt der 16-Jährige.

Über einen Riesenmangel an Schlaf beklagten sich Celine Fries und Tamara Heintz. „Tagsüber war die Kleine ganz ruhig, aber in der ersten Nacht hat sie jede halbe Stunde geschrien“, erzählen die jungen Probemuttis. Das sei super anstrengend gewesen, auch wenn man sich abwechseln konnte, gaben die beiden zu. „Die Babysimulatoren waren auf einen mittleren Schwierigkeitsgrad eingestellt, waren also weder Schreikinder noch superpflegeleicht“, erklärt Sieglinde Frickenhaus von der Schwangerenberatungsstelle in Cochem. Trotzdem mussten die Schüler innerhalb von drei Minuten herausfinden, ob ihr Baby Hunger hatte, frische Windel brauchte, ein Bäuerchen machen wollte oder nur Aufmerksamkeit brauchte. Projektbegleitend gab es in der Schule Unterrichtseinheiten mit den Themenschwerpunkten Finanzen, Förderungsmöglichkeiten, Beratung und Hilfe, Verhütung und Sexualität, Schwangerschaft und Geburt. Ein Besuch der Schwangerenberatungsstelle stand auf dem Programm sowie der Vortrag einer Hebamme. Am Ende der Projekttage waren die Schüler sich einig: „Es war ein gute Erfahrung, auch wenn wir manchmal ziemlich genervt waren.“

RZ Mittelmosel vom Donnerstag, 6. Februar 2014, Seite 12. Text und Foto: Ulrike Platten-Wirtz