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Zehntklässler im Gespräch mit der Polizei

„Ein Gläschen in Ehren ...“ – das denken sich viele Autofahrer, die zu einer Feier gehen und wissen, dass sie anschließend noch fahren müssen. Ein Fehler, der tödliche Folgen haben kann. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes ereigneten sich im Jahr 2009 auf deutschen Straßen 17 471 Verkehrsunfälle, die auf den Einfluss von Alkohol zurückzuführen sind und bei denen Menschen zu Schaden kamen. 6190 wurden schwer verletzt, 443 getötet. Noch immer sind diese Zahlen, obwohl seit Jahren rückläufig, viel zu hoch. Deshalb hielt Jörg Schnitzius, Verkehrssicherheitsberater der Polizei, jetzt Vorträge vor Zehntklässern der Realschule plus in Cochem. Er warnte die Jugendlichen mit schockierenden Bildern und eindringlichen Worten davor, sich berauscht hinters Steuer zu klemmen und zu fahren.

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Klasse 10c mit dem Verkehrsicherheitsberater der Polizei Cochem, J. Schnitzius

Zerknautschtes Blech, von einem Auto ist nicht mehr viel zu erkennen: Fünf junge Menschen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren ziehen Rettungskräfte im Frühjahr 2006 bei Koblenz aus dem Wrack. Alle sind schwer verletzt, haben viel Glück, dass sie überhaupt noch atmen. Der Fahrer des Wagens war alkoholisiert und zu schnell unterwegs gewesen. Drastisch sind die Beispiele, die Jörg Schnitzius mit in den Raum 307 der Cochemer Realschule plus gebracht hat. Doch es sind Beispiele aus dem Alltag. Die 15 oder 16 Jahre alten Schüler schauen zu Boden, schweigen.
Nach Fotos von einer weiteren Unfallszene beschrieben in alle grausigen Details, sagt Schnitzius: „Wisst ihr, das Schlimmste für uns ist nicht die Arbeit an einer solchen Unfallstelle. Die ist schon schlimm genug. Das Schlimmste für uns ist, anschließend zu eurer Mama und eurem Papa fahren und ihnen sagen zu müssen, dass ihr nicht mehr nach Hause kommt.“ Um die Grabesstille zumindest ein wenig wieder aufzubrechen, fügt der Polizist hinzu: „Wir wollen, dass ihr gesund und sicher zu Hause ankommt.“
Damit die Schüler sich später, wenn sie ihr eigenes Auto fahren, vielleicht mal an Schnitzius' Präventionsvortrag und die traurigen Details erinnern, erhalten sie einen Schlüsselanhänger der Verkehrswacht Cochem-Zell. Ein Minilämpchen ist eingearbeitet, das auf Knopfdruck leuchtet.
Und ein Licht sollte wirklich jedem Autofahrer aufgehen, der Schnitzius' Vortrag gehört hat. Es ist eben nicht nur das Unheil, das einem selbst droht, wenn man sich, die Sinne benebelt von einem Joint oder ein paar Gläsern Bier, auf den Fahrersitz setzt, losfährt, in eine Kontrolle gerät oder einen Unfall baut. Dieses Unheil ist schon schlimm genug: Verlust des Führerscheins, womöglich auf Dauer, hohe Geldstrafen, Punkte in Flensburg.
Seines Lebens nicht mehr froh wird, wer berauscht einen Unfall baut und andere verletzt oder gar tötet. Und das Unfallrisiko steigt unter Drogeneinfluss progressiv. Schon bei einem Blutalkoholwert von 0,3 Promille ist es 1,2-mal so hoch wie normal, bei 0,5 Promille schon doppelt so hoch. Einen Wert von 0,36 Promille hat ein 80 Kilogramm wiegender Mann schon nach 0,5 Liter oder zwei Standardgläsern Bier erreicht. Wer mit diesem Wert, der noch unter der gesetzlich festgeschriebenen 0,5-Promille-Grenze liegt, einen Unfall baut, dem wird der Führerschein entzogen. Geldstrafe und Punkte in Flensburg sind ebenfalls fällig.
Zu 20 Prozent sind es 18- bis 24-Jährige, die auf den Straßen Deutschlands ihr Leben lassen. Viel zu oft ist bei diesen Unfällen Alkohol im Spiel. Dabei gilt für alle Fahranfänger und alle Autofahrer, die jünger sind als 21 Jahre, eine Null-Promille-Grenze. Hände weg von Drogen und Alkohol, wenn man noch fahren will! Dieser Merksatz dürfte den Zehntklässlern in Cochem im Gedächtnis haften bleiben. Beherzigen sollte ihn jeder, egal welchen Alters.

Viele nützliche Infos zum Thema gibt's im Netz unter www.kenn-dein-limit.info

Quelle: RZ Mittelmosel vom Samstag, 5. Februar 2011, Seite 16. Text und Foto: David Ditzer